Thursday, 11. june 2009
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01:03
Gestern Abend war ich mal wieder im Casino Osnabrück, um dort das
50+5Euro-Turnier zu spielen. Ich wurde gleich an einen schlechten Platz gesetzt, direkt rechts neben den Dealer, und dann
auch noch an dem blöden Tisch in der Ecke. Das Spiel begann ebenfalls bescheiden, bei einem Startstack von 1500 Chips und Blinds 20/40 kann man sich eigentlich keine großen Patzer erlauben, oder
wie ich immer so gerne sage,
der Stack muß bei solch einem Format anfangs nach oben, nicht nach unten gehen. Leichter gesagt als getan, ich sehe preflop in relativ später Position zwei
Limper vor mir und halte JJ, demnach auf jedenfall ein Raise wert. Ich raise auf 200 und einer der Blinds sowie ein Limper callen. Der Flop kommt supertoll für mich, A - K - X, und es wird zu mir
gecheckt. Natürlich könnte ich jetzt in Position anspielen, aber sowohl die Wahrscheinlichkeit als auch die Blicke meiner beiden Gegner verraten mir, dass dies keinen Sinn macht, also ebenfalls
check von mir. Auf dem Turn spielt der Limper auch schon an, und ich sehe den Fold als beste Entscheidung an. Einige Hände später limpen wieder einige vor mir und ich bekomme AK, ich denke mir
"wenn ihr schon auf den Flop spekuliert, dann zahlt auch dafür", und raise diesmal auf 6 BB. Zwei Caller und ein Flop von J - 8 - X folgen, und beide checken zu mir in Position. Toll, etwa 700 im
Pot, den Flop verfehlt, zwei checkende Gegner, eine blöde Stackgröße von noch 970 ... und das alles als original Raiser! Was nun? Check? Zu Schwach! Continuation Bet? Auch scheisse, wenn die schief
geht bleibt mir ein mickriger Rest von etwa 600 übrig, je nachdem wie hoch die Bet ausfällt, und das kurz vorm Wechsel auf 40/80. Also bleibt noch All-In, mit der Hoffnung das der Gegner das nicht
callen kann und im Falle dessen ich immerhin noch 2 Overcards halte. Der Spieler aus dem Blind blickt mich intensiv an, und called. K8 zeigt er, damit kann ich meine 2 Overcards auch fast vergessen
... Turn und River bringen keine Hilfe mehr, und schon bin ich draußen. Hände überspielt, könnte man sagen, oder einfach
schwacher Move! Ich werde
21. von 22.
Cashgame: The Boards are rigged, everywhere ... oder Das Glück ist mit dem Doofen!
Nachdem der Final Table gestartet war, konnte am anderen Tisch
Cashgame gespielt werden. Blinds wie immer
2/4, hin und wieder ein Straddle von 8. Das Ganze erstaunlicherweise
allerdings nur zu Viert! Zu meiner Rechten der kleine Junge, der scheinbar jeden Pot an sich reißt, aber dennoch zu wissen scheint, was er da tut. Links von mir, sorry, der Fettklops, der mich aus
dem Turnier geworfen hat mit seinem Hero-middle-pair-Call, ein unsympathischer Besserwisser. Der sieht übrigens aus wie der typische Vegas-Tourist, fett, mit Hawaiihemd und Goldkettchen. Dahinter
noch ein Typ, den ich als gefährlichen Skandinavier eingeschätzt hätte, wenn ich ihn nicht hätte deutsch reden hören. Der weiß definitiv was er tut! Wir kaufen uns alle mit 300 bis 400 Euro ein.
Bei mir läuft nicht viel zusammen, ich treffe praktisch keinen Flop, aber die Tatsache, dass wir 4-handed sind, lädt ja praktisch geradezu dazu ein, hier und da mal durch Bluffs einen Pot zu
klauen. Mache ich auch, so kann ich einige Zeit meinen Stack zumindest even halten. Aber dennoch raise ich hin und wieder und verfehle in schöner Regelmäßigkeit den Flop, was mir das Weiterwetten
oft schwierig macht. Und hinzu kommt ein schwacher Call von mir auf Flop und Turn mit mittlerem Paar gegen den raisenden Jungen, den ich als loose eingestuft hatte und einfach mal sehen wollte was
er hat: diesmal Top 2! Mein Stack verfault förmlich in seiner Mickrigkeit, und vor jener Hand hab ich noch 146 Euro übrig: Der Junge (UTG) open-raised direkt auf 24 Euro, ich sitze am Button und
hab die Cowboys ... und calle nur sein Raise. Warum calle ich nur? Hm, gute Frage ... ich denke ein Reraise hätte hier bei meiner Stackgröße zu deutlich nach einer committing Bet ausgesehen, zudem
mein Image, was doch relativ tight war. Ich hatte einfach das Gefühl, dass ein Reraise zwar sicherer wäre, aber bei diesem Niveau niemals eine weitere Auszahlung generieren würde. Also nur der
Call. Small und Big Blind callen ebenfalls, somit liegen 96 Euro auf dem Flop im Pot. Der Flop kommt 9 - T - J ... der Fettklops geht direkt All-In mit etwa 130 Euro. Dass der nix gutes haben muß
war mir schnell klar, der wirkte schon länger etwas demotiviert. Mein Problem ist aber: Der Pseudo-Norweger called das Ganze! Somit sind die Kings eigentlich tot. Der wird doch zumindest 2 Pair
haben ... oder ein Set! Vielleicht schon die Straight?! Oder hat einer der beiden einen starken Draw und der andere Top Paar+Top Kicker? Dann läg ich noch vorn, und das bei den Odds (habe noch 122
Euro übrig). Naja, das klingt jetzt alles so als hätte ich mega lange überlegt, aber so war`s garnicht, ich bin fast instant mitgegangen, obwohl ich fast sicher war das ich hinten liege, zumindest
gegen den "Norweger". Die Gründe für meinen Call rechtfertigen diesen auch nicht wirklich, denn ich war A) gefrustet keinen Flop zu treffen, B) bekam ich die Chance, einen großen Pot zu gewinnen
(Pot-Odds von etwa 26%, d.h. für mich, ich sollte hier öfter als jedes vierte Mal mit meinem Overpair noch vorne liegen um callen zu können) und C) ich hatte dummerweise mal wieder die Zeit im
Nacken, was beim Cashgame echt beschissen ist, und ich hatte nichtmehr viel zu verlieren, war ich doch mit 300 Euro gestartet. Nachdem ich callte, fragte der "Norweger" "Du callst auch??" Ich: "Ich
liege hinten!" ... keiner zeigt die Whole Cards, ich stehe bereits auf, weil ich mir sicher war hinten zu liegen, und der Dealer legt eine T auf dem Turn und eine .... T auf dem River! Ich:
"Vielleicht liege ich JETZT doch nicht mehr hinten!", und drehe meine Pocket Kings um ... der "Norweger" ist empört über die Künste des Dealers und dreht seine Hand, KQ, um, also die gefloppte
Straße. Der Fette hatte nur Q4, also den Open Ender. Somit ging der Pot in Höhe von
462 Euro an mich, denn Full House 10er über Kings schlägt bekanntlich Straight! Diesmal war ich der
LUCKER, der Pokergott wollte mich wohl auch mal beschenken. Natürlich wusste ich, dass ich SEHR LUCKY war, und sagte, während ich die Jetons einsammelte, "Sorry" zum Norweger. Dieser erwiderte nur
gelassen "Man entschuldigt sich nicht!" (
Na gut, dann eben selbst schuld wenn ihr den ganzen Abend mit euren Durschnittshänden hinterherlauft, und das Out of Position!*nein Quatsch, ich
hatte schon etwas Mitleid mit ihm).
Auf der Heimfahrt hab ich aber beschlossen, dem Spiel mal zweitweise den Rücken zu kehren und eine Spielpause einzulegen. Wenn man fast sicher weiß, dass man geschlagen ist, und dennoch 122 Euro
nachballert, dann stimmt was mit dem Kopf nicht! Ich denke es wird Zeit, eine A-Mentalität zu entwickeln, die einen vor solchen Frust-Calls schützt. Und dafür brauch ich ne kreative Pause. Und
Cashgame unter Zeitdruck ist auch bescheuert und lässt einen niemals sein A-Game spielen. Fehler also erkannt, jetzt gilt es das Gelernte in die Tat umzusetzen und Neue zu machen! ;-) Denn im Poker
lernt man ja bekanntlich nie aus!